FÜR DEN GENUSS UND DIE ERKENNTNIS

One-Channel Video, Farbe, Ton, Loop
In Zusammenarbeit mit Marcus Große im Rahmen von Owned By Others Museumsinsel Berlin 2021

Feuer, Wasser, Erde, Luft . . Alles ist. 
Alles was ist, wird. 

Alles was ist, ist ein Dazwischen: Zwischen der Zeit und zwischen dem Raum, zwischen Materie und zwischen Ideen, Temperaturen und Aggregatzuständen. Alles was ist, ist ein Dazwischen: Zwischen Licht und zwischen Schatten, zwischen Elektronenübergängen und den Worten, die wir uns von Allem machen, zwischen Anfängen und zwischen Enden.

Hier, im Besonderen, liegt ein großer Stein, ein Klumpen Granit, Millionen Jahre alt. Eine Zeitkapsel an Weltinformation.

Nie gekannte Kälte. Es schiebt den großen Stein aus Schweden in den märkischen Sand. Dort liegt er und ist lange Zeit ein Wunder. Man erwählt ihn – eine Idee erwählt ihn und nimmt sich seiner an. Man spaltet den großen Stein, bearbeitet ihn, trennt ihn in verschwindendes Material und eine neue Form. Sein bloßes Steinsein: Vergangenheit, seine Natur: kulturell informiert. Auf halbem Weg zur Vollendung verlädt man ihn, verschifft ihn in die große Stadt, in das Zentrum der Macht einer erwachenden Nation. Man schleift ihn in Perfektion und Ebenmäßigkeit. Achsensymmetrisch und hochglanzpoliert. Als eine große Schale stellt man den einstigen Stein am Ende auf. Als Gral einer Aufklärung im nationalen Sinne lädt er seitdem „für den Genuss und die Erkenntnis“ und triumphiert über die Natur: Die Granitschale im Lustgarten in Berlin.*

Alles was ist, ist ein Dazwischen.

* Die Große Granitschale im Lustgarten vor dem Alten Museum hat einen Durchmesser von 6,91 Metern, ein Gewicht von etwa 75 Tonnen und ist das weltweit größte aus einem einzelnen Stein gefertigte Exemplar seiner Art.

Im Jahr 1826 vom preußische König Friedrich Wilhelm III. in Auftrag gegeben, von Karl Friedrich Schinkel entworfen und von Steinmetz Christian Gottlieb Cantian umgesetzt, bekam die solitäre Granitschale einen exponierten, bedeutungsvollen Platz vor dem Alten Museum, um, so Schinkel, „für den Genuss und die Erkenntnis“ der königlichen Kunstsammlungen „empfänglicher zu machen“.

Die Schale wurde aus einem 1.420 Millionen Jahre alten Findling geschlagen. Das Reststück des seinerzeit größten Findlings auf dem Gebiet des heutigen Brandenburgs, des Großen Markgrafensteins, ist heute noch in den Rauenschen Bergen zu finden. Der rote Granitstein kam während der Saale- oder Weichseleiszeit aus Karlshamn im mittleren Südschweden bis zum Ort seiner Spaltung, einem Sandberg, südlich von Fürstenwalde/Spree.

Die Wahl des Großen Markgrafenstein kam nicht von ungefähr. Granitfindlinge wurden zu Beginn des 19. Jahrhunderts mit vaterländischen Attributen versehen, Granit zu einem Kultgestein stilisiert.


Fire, water, earth, air . . All is.
All that is, will be.

All that is, is in-between: between time and space, between matter and ideas, between temperatures and states of aggregation. All that is, is in-between: between light and shadows, between transitions of electrons and the words that we create for all there is, between beginnings and between ends.

Here, in particular, lies a large stone, a lump of granite, millions of years old. A time capsule of world information.

Never known coldness. It pushes the large stone from Sweden into the sand of the Brandenburg region. There it lies. For a long time as a miracle. It is chosen – chosen by an idea and ministered by it. It is split, worked with and separated into vanishing material and a new form. Its bare stone-being: the past, its nature: culturally informed. Halfway to perfection it is handled and shipped to the big city, the center of power of an awakening nation. It is polished to perfection and immaculateness. Axially symmetrical and mirror finished. Ultimately the former stone is placed as a large bowl. Ever since it invites “for pleasure and knowledge” and crows over nature as a grail of enlightenment in the national sense – the granite bowl in the Lustgarten (Pleasure Garden) of Berlin. *

All that is, is in-between,

* The large granite bowl in the Lustgarten in front of Altes Museum has a diameter of 6.91 meters, a weight of around 75 tons and is the world’s largest specimen of its kind made from a single stone.

Commissioned in 1826 by the Prussian King Friedrich Wilhelm III., designed by Karl Friedrich Schinkel and implemented by stonemason Christian Gottlieb Cantian, the solitary granite bowl was given a prominent, meaningful place in front of Altes Museum to, so Schinkel, “make more receptive” “to the pleasure and knowledge” of the royal art collections.

The bowl was carved from a 1,420 million year old erratic boulder. The remnants of what was once the largest boulder in the area of ​​today’s Brandenburg, the Großen Markgrafensteins, can still be found in the Rauenschen Mountains. The red granite stone came during the Saale or Weichselian glaciation from Karlshamn in central southern Sweden to a sand tail south of Fürstenwalde / Spree, the place of its splitting.

The choice of the Großer Markgrafenstein was no mere accident. At the beginning of the 19th century, granite boulders were given patriotic attributes, and granite was stylized as a cult stone.